A n d r e a s B ä u m l e r Wildnisreisen - Film - Fotografie
A n d r e a s   B ä u m l e r Wildnisreisen  -  Film  -  Fotografie

NEWS

Kanada 2018: Canol-Trail-Solo-Winter-Expedition

The White Silence
Eine Solo-Winter-Expedition am Canol Heritage Trail im Nordwesten Kanadas
 
Jeder Schritt ist harte Arbeit. Ich bin gerade dabei eine Spur für den morgigen Tag zu präparieren. Heute meint es der Trail allerdings gut mit mir. Ich wechsle von hartem, windgepresstem Schnee direkt in eine frische Elch-Spur. Die breiten Backcountry-Ski gleiten ohne große Anstrengung durch die holprige Spur. Am Bild der Hufabdrücke ist leicht zu erkennen, dass der Elch in die gleiche Richtung geht. Hinter jedem Hügel und jeder Kurve rechne ich damit dem „gigantischen Hirsch“ aufzuschließen.
Mein Weg führt mich hinab aus den wolkenverhangenen Bergen der Mackenzie Mountains ins bewaldete Equi-Tal. Die Landschaft wird nun etwas offener. Hier sollte es in der kommenden Zeit genug Brennholz für den kleinen Zeltofen geben.
Ich freue mich auf den Umgebungswechsel, bin ich doch schon über zwei Wochen in den Bergen unterwegs. Nach fast fünf Stunden und neun vorgespurten Kilometern bereite ich den Zeltplatz für die kommende Nacht vor. Direkt am Trail trete ich mit den Skiern eine große Fläche in den lockeren Schnee. Nach einer kurzen Pause mit etwas heißem Wasser, Trockenfleisch und Schokolade mache ich mich auf den Rückweg. In der Spur bin ich nun zügig unterwegs. Der Weg zurück zu meiner Ausrüstung geht hauptsächlich bergauf. Ab und zu breche ich noch ein paar Weidenzweige aus dem Weg, die mir sonst am morgigen Tag den Pulka-Schlitten blockieren würden. Allzulange darf ich mich damit allerdings nicht aufhalten, wenn ich nicht in die Dunkelheit kommen möchte.
Plötzlich durchbricht ein Motorengeräusch die gewohnte Stille. Ein Flugzeug? Ein Motorschlitten? Nein! Das Geräusch wird lauter und schon erblicke ich einen Hubschrauber, der mit hoher Geschwindigkeit das Tal abfliegt. Ich wundere mich, was der Heli hier macht, als er in niedriger Flughöhe über mich hinweg saust.  
Ich schaue verblüfft nach oben. Bewusst unterlasse ich jedes Winken, ich möchte nicht auf mich aufmerksam machen, um einen missverstandenen Hilferuf zu vermeiden.
Durch meinen Kopf rasen die Gedanken, schnell überprüfe ich den Notsender auf eine versehentliche Auslösung. Negativ, alles gut, der Notsender, den ich immer bei mir trage, ist wie gewöhnlich ausgeschaltet. Das Schlagen der Rotorblätter wird langsam leiser und der Hubschrauber ist hinter den kommenden Hügeln verschwunden.  
Gerade als mein Puls langsam wieder auf ein normales Level sinkt, ist der Heli plötzlich wie aus dem Nichts erneut über mir. Verwirrt und etwas ratlos strecke ich ihm meine Hand mit Daumen nach oben entgegen. Es hilft alles nichts. Unter ohrenbetäubendem Lärm umkreist mich das blaue Ungetüm, biegt das Weidengestrüpp am Rand des kleinen Canyons in den Schnee und wirbelt die weißen Eiskristalle umher. Der Helikopter setzt zur Landung an.
Nach nur wenigen Sekunden wird mir klar: der Hubschrauber muss meinetwegen hierhergekommen sein. An diesem einsamen Ort mitten in den Mackenzie Mountains bin ich höchstwahrscheinlich der einzige Mensch in einem Radius von mindestens 300 Kilometern.
 
 
 
Einen Monat früher:
Der geplante Zeitpunkt für den Expeditionsbeginn rückte immer näher und noch so vieles war unklar. Ich wusste noch nicht einmal wie ich zum Startpunkt des Canol Trails gelangen sollte.
Dieser Weg ist die Verlängerung des Highway 6, der sogenannten North Canol Road.                                                                                           Der Trail ist eine 355 Kilometer lange Strecke zwischen der Grenze des Yukon Territoriums und einer kleinen Siedlung in den Northwest Territorien in Kanada. Während des Zweiten Weltkriegs bauten die US Army Corps of Engineers mit immensem Aufwand eine Pipeline quer durch die Mackenzie Mountains; von den Ölfeldern bei Norman Wells bis nach Whitehorse im Yukon. Sofort nach Kriegsende wurde die ohnehin unrentable Pipeline von der Regierung aufgegeben. Der Weg führt über reißende Flüsse, durch einsame Bergpässe und karge, vom Wind zerzauste Plateaus. Historische Überreste von 1942 wie ausgeschlachtete Trucks, verfallene Hütten und Pumpstationen verleihen dem sich selbst überlassenen Weg einen einmaligen und eigentümlichen Charakter. Heute zählt der Canol zu den härtesten Trails Nordamerikas. Noch nie zuvor wurde dieser Trail im Winter ohne Support mit Skiern begangen. Dies war genau die Herausforderung, der ich mich stellen wollte.
Schon fast einen Monat war ich nun im Nordwesten Kanadas. Am Marsh Lake im Yukon Territorium arbeitete ich als Housesitter. Der ideale Job um nebenher die Expedition vorzubereiten und mich an die extremen winterlichen Bedingungen zu gewöhnen. Während die Hausbesitzer in ihrem Urlaub die mexikanische Sonne genossen, freute ich mich über die tiefen Temperaturen von bis zu -38 Grad Celsius.   
Fast täglich war ich mit Ski und Pulka auf dem gefrorenen Marsh Lake unterwegs. Bereitete mich und mein aus Deutschland mitgebrachtes Equipment auf die kommenden Wochen am Trail vor. Immer wieder ging ich meine Ausrüstungsliste durch und strich nicht unbedingt nötige Dinge. Die schwere Fotoausrüstung und das Gewehr fanden keinen Platz mehr im Schlitten, da die Pulka noch entschieden leichter werden musste. Alleine die Lebensmittel für die geplanten 35 Tage wogen rund 40kg. Eine Woche vor Expeditionsstart klärte sich dann auch die Frage wie ich an den Anfang des Trails gelangen sollte. Aus Mangel an Alternativen blieb mir nur das Fliegen. Ein Charterflug mit einer kleinen, mit Skiern ausgestatteten, Propellermaschine sollte mich die 250 Meilen zum Camp 222, meinem geplanten Startpunkt, bringen.  
Dann ging alles ganz schnell. Ein Wetterumschwung zwang mich kurzfristig dazu einen Tag früher zu fliegen. Bis in den späten Abend war ich noch mit Packen und dem Abhaken noch offener to Do`s beschäftigt. Es kam mir wirklich nicht so vor als wäre es der Abend vor einer Outdoor-Tour.  Es war der Abend vor einer Prüfung. Die Nacht und letzten Stunden vor dem Abflug werde ich mein Leben nicht vergessen. Tausend Probleme schossen mir gleichzeitig durch den Kopf: das Überqueren der unzähligen gefrorenen Flüsse, bodenloser Tiefschnee, Nächte von bis zu 40 Grad unter null, Lawinenabgänge, Blizzards, die Einsamkeit und noch so einiges mehr, was einen normalen Menschen aus der Ruhe bringen kann.  Am nächsten Morgen, kurz vor der Abfahrt zum Flughafen nach Whitehorse, verabschiedete ich mich noch per Telefon von meinen Eltern und meiner Freundin. Für beide begann ab jetzt ebenfalls eine aufregende Zeit. Bis zum Schluss zögerte ich diese Anrufe hinaus, ahnte ich doch, wie schwer sie mir fallen würden.  
Als meine 100 Kilogramm schwere Ausrüstung inklusive aller Lebensmittel in dem kleinen Flugzeug verstaut war, ging ich mit dem Piloten nochmal meine geplante Route durch und besprach Orte, an denen er mich notfalls wieder abholen könnte. Viele Möglichkeiten gab es nicht, aber es war beruhigend zu wissen, dass es ein paar wenige Stellen in der Nähe des Trails gibt, auf denen ein Flugzeug bei passenden Bedingungen landen kann.
Nur wenige Minuten später hob die Maschine vom Boden ab, stieg zügig in die Luft und drehte auf einen nordöstlichen Kurs.  Auf dem etwas über zwei Stunden dauernden Flug wurde mir richtig bewusst wie abgelegen dieser Trail wirklich ist. In der gesamten Flugdauer passierten wir ein einziges Dorf, sonst sah ich nur weiße Landschaft. Wald, Flüsse, Seen, Berge soweit das Auge reichte.
 
Als die kleine Maschine in den wolkenverhangenen Bergen verschwand, wurde es plötzlich ganz ruhig. Nur der Wind durchbrach ab und zu die noch ungewohnte Stille. Es war ein komisches Gefühl das verlassene Camp-222 so ganz alleine zu erkunden. Da war eine Ranger-Station mit eingeschneitem Pickup Truck vor der Tür, ein paar alte, halb verfallene Gebäude und eine Pferdekoppel mit mehreren Hütten. Dort fand ich auch eine offene Cabin mit Ofen für die Nacht. Am nächsten Morgen war dann endlich die Stunde der Wahrheit gekommen. Mit vollbepacktem Schlitten und meinem großen Rucksack legte ich die ersten Meter auf dem Canol Heritage Trail zurück. Es war kein leichtes Vorankommen und es brauchte alles seine Zeit. Aber Meter für Meter bahnte ich mir meinen Weg durch den tiefen Pulverschnee. Schon nach wenigen Minuten war ich am ersten Hindernis angekommen. Vor mir lag der gefrorene Tichu-River. Neben einer verfallenen Holzbrücke prüfte ich ohne Gepäck das teilweise blanke Eis. Es schien alles sehr stabil zu sein. Zur Sicherheit hatte ich meine Schneeschaufel zum Eispickel ummontiert und stets griffbereit für den Fall eines Einbruchs. Auf dem Weg zurück zum Schlitten ging ich etwas näher zur alten Brücke und bevor ich es hätte kommen sehen, brach ich bis zu den Knien in halb gefrorenen Overflow. (Als Overflow wird Wasser bezeichnet, das auf die Eisdecke gedrückt wird.) Der erste Schreck war groß, denn ich dachte, ich breche in das offene Wasser ein. Wie vom Blitz getroffen sprang ich wieder aus dem Eisloch. Aber auch schon nasse Füße können bei solch tiefen Temperaturen gefährlich sein.  Doch zu meinem Glück hatten die Garmaschen den Großteil des Eiswassers abgehalten. Mit etwas mehr Vorsicht brachte ich nun den Schlitten und meinen Rucksack über den soeben ausgekundschafteten Weg zum anderen Ufer. Immer weiter Richtung Berge schlängelte sich der verschneite Pfad. Nach ungefähr acht Stunden und etwas über sechs Kilometern am Trail beschloss ich mein Lager an einem kleinen mit Bäumen bewachsenen Bachbett aufzuschlagen. Als der Topf voll mit Schnee auf dem kleinen Zeltofen stand und ich in gemütlicher Haltung, im angenehm warmen Zelt, ein wenig Trockenfleisch aß, merkte ich wie sich Erleichterung in mir breit machte. War es doch so lange ungewiss ob überhaupt ein Vorankommen möglich sein wird. Mit der Hoffnung auf einen guten morgigen Tag kroch ich in meinen warmen Daunenschlafsack.   
Schnell stellte sich am nächsten Morgen allerdings heraus, dass ich mein Zwischenziel -eine zehn Kilometer entfernte Sommer-Lodge - an diesem Tag nicht erreichen werde. Der Ort, der in den warmen Monaten Ökotouristen die Gelegenheit bietet die nordische Flora und Fauna kennenzulernen, war für mich vorerst in weiter Ferne. Es war unglaublich anstrengend, das schwere Gepäck den Berg hinauf zu bringen. Nach unfassbar kräftezehrenden fünf Stunden hatte ich nur zwei Kilometer zurückgelegt. Von da ab beschloss ich, nur mit dem Rucksack und ohne Puka einen Trail in den Schnee zu brechen, dann den Rucksack abzustellen und die Pulka nachzuholen.  
In diesem Rhythmus erreichte ich erst nach zwei weiteren beschwerlichen Tagen die ersehnte Lodge. Wie froh war ich, die Hütten am Abend des vierten Tages kurz vor Sonnenuntergang zu erreichen. Noch nie zuvor habe ich mich über einen beheizbaren Raum so gefreut. Die Hütten kamen zur rechten Zeit. Die vergangenen zwei Nächte, ohne Holz für den Ofen, waren mit bis zu -35 Grad bitter kalt und durch die Atemluft und das Kochen hatte ich Probleme mit Feuchtigkeit im Zelt. Besonders der Daunenschlafsack und der Kragen meiner Expeditionsjacke waren schon mit einer dünnen Eisschicht überzogen.
 
Ich beschloss den kommenden Tag nicht weiter zu ziehen, sondern hier an diesem wundervollen Ort inmitten der Berge, einen Tag Pause zu machen, meine Ausrüstung zu trockenen und mir das weitere Vorgehen zu überlegen. In meinem Tourenbuch notierte ich an diesem Tag folgendes: „Richtig entspannen kann ich selbst am heutigen Pausentag nicht. Ich habe immer im Hinterkopf: Mach keinen Fehler! Manchmal allerdings schafft es die Landschaft diese Sorgen einfach wegzufegen. Grandios stehen sie da, in weiße Kleider gehüllt, die einsamen Mackenzie Mountains. Mal mit Sonne oder Mond, mal in rotes Licht getaucht, mal von Wolkenfetzen teils verhüllt, aber immer ein herrlicher Anblick.“
Am Abend bei knisterndem Ofen, heißem Tee und Schokolade beschloss ich nicht zum Flugfeld umzukehren, sondern es morgen weiter am Trail zu versuchen und auf eine Besserung der Schneebedingungen zu hoffen. Bei blauem Himmel und herrlicher Kulisse erkundete ich die nächsten Kilometer und legte eine Spur bis zu einer sechs Kilometer entfernten Pumpstation. Dort erwarteten mich wieder einige Relikte aus vergangenen Tagen, als der Weg noch eine Straße war. Verfallene Hütten und etliche, im Schnee versunkene alte Trucks säumten den Trail.  
Zwei Tage später erreichte ich einen Zufluss des Intga River. Dort waren die Bedingungen auf dem gefrorenen Fluss so gut, dass ich kurzerhand beschloss, nicht weiter zu spuren, sondern mit voller Beladung dem parallel zum Trail laufenden Flussbett zu folgen. Es war ein ungewohnt leichtes Vorwärtskommen. Manchmal konnte ich das Wasser unter meinen Füßen plätschern hören, dies mahnte mich zur Vorsicht aber die Freude über die wechselnden Verhältnisse war größer als die Angst ins Eis einzubrechen. Nach nur kurzer Zeit wurde alle Zuversicht auf ein schnelleres und weniger kräftezehrendes Vorankommen zerstört. Die flache kaum schneebedeckte Eisfläche wandelte sich urplötzlich zu einer schmalen Buckelpiste. Dort wo sich im Sommer ein Wildbach seinen Weg durchs Tal bahnt, war für mich an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken. Es half alles nichts, ich musste zurück zum Trail. Es war kein leichtes Unterfangen. Die ganze Ausrüstung musste durch dichte Weidenbüsche und losen Tiefschnee einen steilen Hang nach oben gebracht werden. Es kostete mich fast drei Stunden und alle Kraft bis ich samt der Ausrüstung zurück am Weg war.  
Es war an der Zeit das schleppende Vorankommen zu akzeptieren, ich musste mich damit abfinden alles doppelt zu gehen. Trotz meiner Langsamkeit vergingen die kommenden Tage im Intga Tal wie im Flug. Auch die nordische Tierwelt begann sich im tiefer gelegenen Tal nun öfter zu zeigen. So bekam ich eines Abends überraschend Besuch von einem Fuchs und während des Wanderns entdeckte ich zwei Elche, die in der Ferne durch die Hügel streiften. Es war schön zu wissen nicht das einzige Lebewesen in den Weiten der Berge zu sein. Mit jedem Tag wurde der Rhythmus zwischen dem Spuren und Gepäck nachholen besser. Die Tatsache hier ganz alleine in der Abgeschiedenheit und der rauen Umgebung gut zurechtzukommen steigerte mein Selbstvertrauen und ich begann immer mehr die Tour zu genießen. Meist gegen Nachmittag verzogen sich die Wolken und warme Sonnenstrahlen durchbrachen den blauen Himmel. Besonders der Rückweg zum Zelt in der bereits gelegten Spur, mit wenig Gepäck, wurde so zum wahren Genuss. Von Musik aus dem MP3-Player beflügelt, vorbei an wunderschönen Gipfelformationen, die Sonne im Gesicht, kam in mir eine fast euphorische Stimmung auf. Dies alles selbst zu erleben war ein unbeschreibliches Gefühl, das kein Reisebericht, kein Buch und auch kein Film zu vermitteln vermag. Ganz alleine in dieser Abgeschiedenheit durch die von der Natur so perfekte geschaffene Kulisse zu ziehen gehört mit zu den beeindruckendsten Dingen meines bisherigen Lebens.  
Nach über elf Stunden auf Skiern kam ich inmitten eines Schneesturms im Schein meiner Stirnlampe an einer kleinen Hütte kurz hinter dem Caribou-Pass an. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass dies meine letzte Herberge am Canol-Trail sein würde. Während ich im geschützten Raum der Cabin mich selbst und meine vielen Kamera-Akkus mit neuer Energie versorgte waren meine Freunde und Familie in Deutschland bereits in größter Sorge um mein Wohlergehen.
Die tägliche „alles okay“ Nachricht meines Satelliten-Notsenders war zu diesem Zeitpunkt bereits seit drei Tagen überfällig. Die wichtige Information wurde von mir, wie gewohnt jeden Abend versendet, hatte die Empfänger allerdings nie erreicht. Warum die Übermittlung fehlschlug ist mir bis heute nicht bekannt. Das Ausbleiben der Nachricht war Grund genug für meine Freundin die RockieMountain-Police zu kontaktieren. Die örtliche Behörde aus Norman Wells zögerte nicht lange und schickte einen Officer mit einem Helikopter zu den letzten empfangenen GPS- Koordinaten der OkayNachricht. Von diesem Punkt aus war es ein Leichtes meiner Spur im Schnee zu folgen. Nach nur wenigen Stunden war ich, der vermeintlich in Notgeratene, gefunden.
Ich war von meiner plötzlichen Rettung völlig überrumpelt. Als der Police Officer aus dem Helikopter stieg, auf mich zu kam und fragte: „Are you Andreas?“, wusste ich erst gar nicht wie mir geschah. Doch mein langsames Vorankommen und die Tatsache, dass bei einem zweiten, späteren Rettungseinsatz mein Name auf dem Rechnungskopf stehen würde, zwang mich dazu, meine Ausrüstung im Helikopter zu verstauen und den Rest des Canol Trails aus der Vogelperspektive zu betrachten.  
Was für meine Angehörigen eine große Erleichterung und Grund zur Freude war, bedeutete für mich: Schlechtes Mikrowellenessen, sowie mein teuerstes und gleichzeitig aber schäbigstes Hotelzimmer in einem verschlafenen Nest namens Norman Wells.  
Der von mir so lang geplante Traum war nach 17 Tagen geplatzt. Nachdem die erste Niedergeschlagenheit vergangen war, konnte ich nicht umhin festzustellen, dass aber allein die ersten Tage all die Mühen, Sorgen und Anstrengungen wert gewesen sind. Das tiefere Ziel meiner Expedition war nicht nur, an einem bestimmten Ort zu gelangen, sondern der Weg dorthin.
 
 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Andreas Bäumler